Das Pferd als Freizeitpartner
Diese Einsatzform der Pferde entsprach aber nicht allen Pferdefreunden. Eine Reihe von Individualisten, die sich nicht mit dem Leistungssport anfreunden konnten und sich auch nicht in Reitvereinen wohlfühlten, suchte den Weg zum Pferd als Kameraden zur Freizeitgestaltung. Mit den Freizeitreitern kam auch das Interesse an dem Besonderen und damit die Rassenvielfalt, andere Reitweisen und anderen Haltungsformen (Robusthaltung). Mittlerweile steht die Reitpferdezucht in starker Konkurenz zu Westernpferden, Isländern, Edelpferden und vielen anderen Rassen.
Die Pferdezucht wird heute mehr und mehr rein hobbymäßig betrieben. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von der stark wirtschaftlich ausgerichteten Nutztierzucht und ihren Anforderungen. Die Motivation zur Pferdezucht ist heute meist die Liebe zum Pferd, die Freude am Tier, und somit treten Idealvorstellungen in den Vordergrund: Ein schönes Pferd soll es sein. Schnell fand eine Entwicklung weg vom Verwendungszweck, hin zum ästhetischen Erscheinungsbild statt. Diese neue Sicht fand schnell Anhänger und führte zu einer anderen Form der Darstellung der Pferde. In der Quarter Horse-Zucht bildete sich neben der Leistungsschau die im- sportlichen Wettbewerb ausgetragen wurde, eine neue Veranstaltungsform: Die Haltershow (Halter = Halten). Sie ermöglicht es, Pferde jeden Alters unabhängig von deren Erziehungsgrad und Ausbildungsstand an der Hand zu zeigen, die sich nur durch ihr Erscheinungsbild - insbesondere die starke Bemuskelung - zum Sieg eigneten.
Im Zuge der zunehmenden Beliebtheit von Farbpferden, (die im Laufe der Jahrhunderte immer eine Sonderstellung eingenommen baren), spielen sehr seltene
Grundfarben wie der Rappe oder der Palomino und auffällig gezeichnete Pferde eine immer größere Rolle. Bei den gescheckten bzw. "bunten" Pferden entscheidet die Art und Form der Zeichnung über deren Qualität Während die Appaloosas auf eine eigene Rasse zurück blicken können, kann man bei den Paints von einer rasseorientierten Farbzucht sprechen, die sich sehr stark auf Quarter Horse-Blutlinien begründet. Bei den Pintos kann man dann von reiner Farbzucht sprechen, denn hauptsächlich die Fellzeichnung bestimmt, ob. die Pferde eingetragen werden können. In der Palomino- und ganz besonders in der Buckskinzucht sind verschiedene Rassen zugelassen, es geht allein um die Körperfarbe.
Der Wettbewerb "Halter", bei den Amerikanischen Pferderassen, ist, eine Wahl, welche einer Schönheitskonkurrenz) entspricht und einen Modetrend wiederspiegelt Diese "Hochglanz-Art, die Pferde darzustellen, hat, züchterisch betrachtet, einen Pferdefuß (wie jede Spezialisierung auf bestimmte Eigenschaften andere verkümmern läßt.) Hier wird Ursache mit Wirkung verwechselt, und das hat zum Teil drastische Folgen für die Gesundheit der Pferde.
So führt die deutliche Vorliebe für besonders stark bemuskelte Quarter Horses, darunter Hengste, "die vor Kraft nicht 'laufen können", das Prinzip der Leistungsfähigkeit des perfekten Ranch Horse ad absurdum.
Der Mensch hilft nach
Die so geschätzten Eigenschaften der Quarter Horses, die bei gut trainierten Pferden zu gesunden Organen, Leistungsfähigkeit und starken Muskeln führten, gehen verloren, wenn die Pferde überzogenem Body- Building gleich nur nach der Fähigkeit, Muskelmasse aufbauen zu können, selektiert werden. Solche Pferde sind nicht mehr in der Lage, den Grundanforderungen, die an diese Rasse gestellt werden, gerecht zu werden. Ganz zu schweigen von den dünnen Beinen und Hufen, die dieses Gewicht aufnehmen sollen.
Es erfordert das ganze Können des erfahrenen Züchters, alle in der Zucht gewünschten Merkmale und Eigenschaften im Auge zu behalten, so kommt in der Farbzucht ein weiteres dazu. Nicht nur Korrektheit des Körpers und der Beine (Exterieur) sowie Charaktereigenschaften, Nerven, kurz, das Interieur sollen berücksichtigt werden, sondern zusätzlich die Fellzeichnung, bzw. Farbe. Damit wird die Zahl der verfügbaren Zuchttiere enorm eingeschränkt, die Folge sind starke Inzucht, mögliche Defekte und damit die Gefahr, daß sich erwünschte Merkmale (z.B. eine bestimmte Zeichnung, ein besonders schöner Kopf) nur zusammen mit unerwünschten Merkmalen (steile Schulter, weicher Rücken) oder gar Krankheiten vererbt. Auch das Temperament eines wilden, unberechenbaren aber schön gezeichneten Urahnen kann zutage gefördert werden. Dadurch das die Pferde einen hohen Verwandtschaftsgrad haben, wird sich dieser Fehler stark durchsetzen und schließlich nur sehr schwer zu beheben sein. "Toleranz" solchen Fehlern gegenüber führt zu einer Vernachlässigung der klassischen Anforderungen an ein Zuchttier. Auch dies ist eine Quittung für das allzu leichtfertige "Pfuschen" des Menschen ins Handwerk der Natur.