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Western Pleasure -

Freude oder Anstrengung ?


An der Disziplin Western Pleasure scheiden sich die Geister vieler Westernreiter. Keine andere Disziplin ist so umstritten.


Wer zum ersten Mal eine Western Pleasure Klasse auf einem Turnier sieht, geht meist mit einigen Fragen nach Hause:

1. Warum gehen die Pferde so langsam?

2. Warum tragen sie den Kopf so tief?

3. Warum soll es so schwierig sein im Schritt, Trab und Galopp auf dem Hufschlag herum zu gehen ? Ist das überhaupt eine Prüfung?

Die Antworten sind vielschichtiger, als man zunächst meint.

Ein gutes Pleasure Pferd soll das sein, was sein Name ausdrückt: Eine Freude zu reiten. Ein Pferd, das in den drei Grundgarten bequem zu sitzen ist und gleichmäßig und ruhig am langen Zügel vorwärts geht.

Aber auch das Pferd soll Freude ausstrahlen, es soll entspannt und aufmerksam sein.

Ein gutes Western Pleasure Pferd ist von Natur aus ruhig und geht gerne langsam, die Geschwindigkeit entspricht seinem Temperament !

Aber es gibt natürlich auch andere. Gute Trainer schaffen es auch aus schnellen Pferden, langsame zu machen. Leider sieht man diesen Pferden an, daß sie gezwungen wurden, wie ein Pleasure Pferd zu gehen, sie sind unglücklich und ausdruckslos. Viele dieser "künstlich" trainierten Pleasure Pferde gehen untaktmäßig und tragen sich nicht. Und das nicht, weil sie zu langsam sind, sondern weil es ihnen unangenehm ist, so zu gehen.

Gute Pferdeleute im Publikum sehen das und kritisieren das zu Recht.

Warum tragen die Pferde den Kopf so tief ?

Jahrzehntelang hat man die Quarter Horse Western Pleasure Linien daraufhin gezüchtet. Ihr Hals kommt flach aus der Schulter, sie gehen mit vorwärts abwärts gestrecktem Hals und flachem Vorderbein.

So gezüchtete Pferde galoppieren selbst auf der Weide mit einer tiefen Kopfhaltung. Sobald sie sich entspannen, tragen sie ihren Kopf so. Nun hat man in der gutgemeinten Änderung des Regelwerkes zu große Aufmerksamkeit auf die Position des Kopfes gelegt.

Pferde, die ihren Kopf fünf Schritte zu tief tragen - Ohren unterhalb des Widerrist - werden disqualifiziert. Ein unsinnige Regel, da die Kopfposition nicht unbedingt etwas über die Qualität der Bewegung aussagt. Gute Richter schauen auch heute noch auf die Hinterbeine der Pferde und nicht auf die Ohren.

Die Frage sollte lauten : Trägt sich das Pferd auf der Hinterhand ? Und nicht: Wo ist sein Kopf ?

Auch hier hat die Medaille zwei Seiten. Die einen sind so geboren und gehen glücklich und zufrieden mit ihrer tiefen Kopfhaltung. Und die anderen werden von gewieften Trainern künstlich in diese Haltung gezwungen.

Der Pferdekenner sieht meist den Unterschied: Die einen sind entspannt und zufrieden, die anderen bewegen sich ausdruckslos und mechanisch.

Zur dritten Frage lautet die Antwort:

Gehen sie einmal mit ihrem Pferd in einer Gruppe von 15 anderen Pferde auf einem großen Platz 10 Minuten in einem gleichmäßigen, ruhigen Tempo möglichst ohne je den Zügel anzufassen. Das sieht leichter aus als es ist.

Es verlangt ein gut gerittenes Pferd, das zuverlässig und willig an den Hilfen steht und mit einem angenehmen und ruhigen Temperament ausgestattet ist.

Das größte Problem in der Disziplin Western Pleasure sind leider die Richter. Viele von Ihnen können zwar beurteilen, welches Pferd das langsamste ist, aber sie sehen nicht, welches Pferd sich natürlich trägt.

So kommt es leider vor, daß ausdrucklose, mechanische Pferde, die sich schlecht bewegen, gewinnen, nur weil sie gleichmäßig langsam waren.

Es gibt eben keine meßbaren Daten oder eindeutig festgelegte Kriterien: Was ist ein guter Beweger ? Woran erkennt man ein Pferd, das sich natürlich trägt ? Was ist ein zufriedener Ausdruck ?

Fragen Sie drei Richter und Sie bekommen drei subjektive Antworten.

Besonders deutlich wird das auf Shows, auf denen zwei Richter dieselbe Klasse beurteilen. In der Western Pleasure kann der Sieger des einen bei dem anderen Richter auf dem 10. Platz landen. Das kommt vor und man muss damit leben können, wenn man in dieser Klasse startet.

In USA noch viel mehr, aber auch bei uns spielt der Reiter eine Rolle.

Die Disziplin Western Pleasure ist leider sehr anfällig für "politische" Entscheidungen. Der richtige "Look", das richtige "Outfit" und manchmal auch der entsprechende Bekanntheitsgrad können in der Prüfung den Richter beeinflussen. Das ist menschlich, den völlig objektiven Richter ohne eigenen Geschmack und ohne individuelle Vorlieben gibt es nicht.

Das alles sollte einen dennoch nicht entmutigen

Ein wirklich gutes, natürliches Western Pleasure Pferd ist eben eine Freude zu reiten !

Auch zu Hause und im Wald....

PRL, 02.04.2001

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